Familienstützpunkte in Bayern – Unterstützung der Umsetzung

Eine Anlaufstelle für Fragen rund um Familie und Erziehung, passende und bedarfsgerechte Angebote für alle Eltern sowie wirksame Netzwerkstrukturen in Kommunen, um ein gelingendes Familienleben zu unterstützen und Erziehungskompetenzen zu fördern – darauf zielt ein bayernweites Förderprogramm des Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) ab. Bei der Umsetzung der Projektschritte vor Ort unterstützt das ifb die teilnehmenden Kommunen.

Hintergrund

Eltern- und Familienbildung ist eine gesetzlich verankerte Leistung der Jugendhilfe (§16 SGB VIII) für Familien in Deutschland. Diese Verortung der Familienbildung in der Jugendhilfe wird im Gesamtkonzept des ifb zur Eltern- und Familienbildung in Bayern betont. In diesem wird auch darauf verwiesen, dass eine stärkere Verankerung der Zuständigkeit im Jugendamt notwendig ist, um ein abgestimmtes und bedarfsorientiertes Angebot auf kommunaler Ebene zu entwickeln.

Das Gesamtkonzept zur Eltern- und Familienbildung empfiehlt zudem eine differenzierte Planung mit Bestands- und Bedarfsermittlung unter der Federführung der örtlichen Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe, die Ausarbeitung kommunaler Familienbildungskonzepte und die Schaffung wirksamer lokaler Netzwerkstrukturen. Des Weiteren sollen wohnortnahe und niedrigschwellige Anlaufstellen den Zugang zu familienbildenden Angeboten erleichtern. Ziel ist es, dass Familien passgenaue Angebote der Eltern- und Familienbildung in ihrer Kommune und ihrem Sozialraum vorfinden.

Die praktische Umsetzung dieses Gesamtkonzeptes wurde zwischen 2010 und 2013 im Rahmen des Modellprojekts „Familienstützpunkte“ in elf bayerischen Landkreisen und Städten erprobt. Die Standorte wurden dabei engmaschig vom ifb begleitet und unterstützt.

Basierend auf diesen Vorarbeiten erließ das StMAS zum 1. Juli 2013 ein bayernweites Förderprogramm zur strukturellen Weiterentwicklung kommunaler Familienbildung und von Familienstützpunkten, dessen Laufzeit zum 1. Januar 2017 um weitere vier Jahre bis Ende 2020 verlängert wurde.

Seitdem können die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe in Bayern finanzielle Unterstützung für die strukturelle Weiterentwicklung ihrer kommunalen Familienbildung erhalten. Möglich sind Sach- und Personalmittel für eine Koordinierungsstelle für die Eltern- und Familienbildung beim örtlichen Jugendamt, für regelmäßige Bestandsaufnahmen und Bedarfsanalysen sowie für die Erstellung, Umsetzung und Fortschreibung kommunaler Konzepte der Eltern- und Familienbildung einschließlich der Einrichtung, des Betriebs und der nachhaltigen Sicherung von Familienstützpunkten. Zur Qualitätssicherung begleitet und unterstützt das ifb die derzeit 42 teilnehmenden Kommunen  bei der Umsetzung des Förderprogramms (Stand: Januar 2019).

Projektverlauf

Fachliche Begleitung, Fortbildung und Qualitätssicherung

Das Team am ifb begleitet und unterstützt die Umsetzung des Förderprogramms, indem es die Erfahrungen aus der Modell- und Förderphase bündelt und weitergibt, fachliche Inputs sowie praktische Arbeitshilfen liefert und den Städten und Landkreisen bei der Durchführung der einzelnen Projektschritte zur Seite steht. Der Wissenstransfer wird auf verschiedenen Wegen sichergestellt:

Für die kommunalen Koordinierungsstellen der Eltern- und Familienbildung organisiert das Projektteam eintägige Workshops entlang der verschiedenen Projektphasen und Arbeitsschritte. Ziel ist es, spezifisches Wissen und Kenntnisse zur Erstellung des kommunalen Familienbildungskonzepts, zur Auswahl und Einrichtung von Familienstützpunkten und zur Konzeptfortschreibung zu vermitteln. Weiterhin fördern die Workshops den Austausch und die Vernetzung der Standorte untereinander; zudem werden Lösungsansätze für individuelle Herausforderungen vor Ort diskutiert.

Um einen Beitrag zur Qualitätssicherung und Vernetzung der Familienbildung in Bayern zu leisten, bieten wir jedes Jahr eine große Fortbildung an. Der Fachtag 2018 stand unter dem Motto „Begegnungen gestalten“; an diesem nahmen über 120 Fachkräfte der Koordinierungsstellen, der Jugendämter und der Familienstützpunkte teil. Auch 2019 wird es wieder einen Fortbildungstag geben – mit der vielfach bewährten Ausgewogenheit an Beiträgen mit theoretischen und anwendungsbezogenen Inhalten aus Forschung und Praxis.

Ferner steht das Projektteam dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales für fachliche Fragen zur Verfügung, liefert durch Forschungsaktivitäten im Bereich der Familienbildung wissenschaftlichen Input, bringt aktuelle Themen ein und trägt dadurch zur Weiterentwicklung der Familienbildung in Bayern bei.

Erstellung von Materialien und weitere Analysen

Zur Unterstützung der Öffentlichkeitswirksamkeit des Förderprogramms soll eine Broschüre erarbeitet werden, die über die Ziele, Voraussetzungen und Inhalten des Förderprogrammes informiert sowie Erfahrungen der bisherigen Projektphase in gebündelter Form präsentiert. Diese ist als übersichtliche, überblicksartige Ergänzung zu den bisherigen umfangreichen ifb-Materialien angedacht.

Alle Standorte sind laut Förderrichtlinie verpflichtet, einen jährlichen Tätigkeitsbericht über die kommunalen Familienbildungsmaßnahmen abzugeben. Zu diesem Zweck sollen die Familienstützpunkte ihre familienbildenden Aktivitäten im Hinblick auf die Angebote und die Inanspruchnahme allgemeiner Beratung nach §16 SGB VIII dokumentieren. Dadurch liegt umfangreiches Datenmaterial über die Aktivitäten aller Familienstützpunkte vor, das auf kommunaler Ebene für die Steuerung und Planung genutzt wird, bisher jedoch nicht auf übergeordneter Ebene aggregiert und ausgewertet wurde.

Die vorliegenden Daten bieten ein großes Informationspotenzial, um bayernweit eine Entwicklung der familienbildenden Aktivitäten und deren Inanspruchnahme durch Eltern nachzeichnen zu können. Die Daten sollen zunächst gesichtet, deren Validität geprüft und im Anschluss unter Berücksichtigung der Heterogenität der kommunalen Familienbildungsstrukturen ausgewertet werden.

Basierend auf der Sichtung und Auswertung der Bögen entwickelt das ifb einen Vorschlag zur Weiterentwicklung der Erhebungsinstrumente. In enger Abstimmung mit dem StMAS und den teilnehmenden Standorten stehen dabei drei Kriterien im Vordergrund: das Informationspotenzial, die Anschlussfähigkeit an die ursprünglichen Formulare sowie die Handhabbarkeit der Instrumente in der Praxis.

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Teaser Familienstuetzpunkt
Projektinfo

Das Projekt wird durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert

Laufzeit: 6/2013 bis 12/2020

Projektteam: Anastasia Baumtrog, M.A., Dipl.-Soz. Doris Lüken-Klaßen, Dipl.-Soz. Regina Neumann (Projektleitung)

Fach- und Fortbildungstage

Fachtag "Familienbildung im Aufbruch – Begegnungen gestalten.
5. Juli 2018 in Nürnberg

Zur Dokumentation