Geschwisterbeziehungen im Erwachsenenalter

Als Teil des familialen Sozialisationskontextes prägen Geschwister nicht nur das Aufwachsen eines Menschen mit, auch im späteren Leben bleiben sie bedeutsam.

Geschwisterbeziehungen gehören zu den am längsten dauernden sozialen Beziehungen, im Unterschied zu Freundschaften und Paarbeziehungen unterliegen sie jedoch keiner individuellen Wahl, sondern besitzen „etwas Schicksalhaftes“ (Kasten 1998: 150). Zeitlich gesehen wird der größere Teil der Geschwisterbeziehung im Erwachsenenalter erlebt, und nach dem Tod der Eltern stellen noch lebende Geschwister die einzige verbleibende Verbindung zur Herkunftsfamilie her. Dennoch weiß man über die Geschwisterbeziehungen Erwachsener vergleichsweise wenig. Familiensoziologische Untersuchungen beziehen sich „fast ausschließlich auf die Kernfamilie und ihre Ausprägungen“ (Nave-Herz 2018: 140) und vernachlässigen das „interdependente Beziehungsgeflecht aus Freundschaften, Verwandten und der Herkunftsfamilie“ (ebd.), welches die Kernfamilie umgibt.

In anderen Ländern, vor allem im angloamerikanischen Raum, hat die Forschung die lange „vergessene Beziehung“ zwischen (erwachsenen) Geschwistern schon früher „entdeckt“ (Bedford 1989). Seit den 1990er Jahren findet das Thema in verschiedenen Disziplinen zunehmend Beachtung, die Zahl der Veröffentlichungen hat deutlich zugenommen (Bedford 2012). Die vorliegenden empirischen Befunde beziehen sich auf ein breites Spektrum an Fragestellungen und Einzelaspekten. Auch in methodischer und theoretischer Hinsicht handelt es sich um ein sehr heterogenes Forschungsfeld.

Im Rahmen des Projektes wird der aktuelle Forschungsstand zum Thema Geschwisterbeziehungen im Erwachsenenalter aufgearbeitet und für eine Veröffentlichung zusammengefasst.

Literatur

Bedford, Victoria H. (1989): Sibling Research in Historical Perspective. The Discovery of a Forgotten Relationship. In: American Behavioral Scientist 33 (1), S. 6-18.

Bedford, Victoria H.; Avioli, Paula Smith (2012): Sibling Relationships from midlife to old age. In: Rosemary Blieszner und Victoria H. Bedford (Hg.): Handbook of families and aging. Second edition. Santa Barbara, California: Praeger, S. 125–151.

Kasten, Hartmut (1998): Geschwisterbeziehungen im Lebenslauf. In: Michael Wagner und Yvonne Schütze (Hg.): Verwandtschaft. Sozialwissenschaftliche Beiträge zu einem vernachlässigten Thema. Stuttgart: Ferdinand Enke Verlag, S. 147–161.

Nave-Herz, Rosemarie (2018): Familiensoziologie. Historische Entwicklung, theoretische Ansätze, aktuelle Themen. In: Astrid Wonneberger, Katja Weidtmann und Sabina Stelzig-Willutzki (Hg.): Familienwissenschaft. Grundlagen und Überblick. Wiesbaden: Springer VS, S. 119–147.

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Photo by Jessica Wilson on Unsplash

Teaser Geschwister
Projektinfo

Das Projekt wird durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.

Laufzeit: 01/2019 bis 12/2019

Projektleitung: Dr. Adelheid Smolka