Flexibilitätsformen in der späten Erwerbskarriere und beim Übergang in die Rente - Ein internationaler Vergleich zum Wandel sozialer Ungleichheitsmuster

Das Projekt konzentriert sich auf die Auswirkungen von Flexibilisierungsprozessen auf die späte Erwerbskarriere und den Übergang in die Rente. Es handelt sich um ein Fortsetzungsprojekt des von der DFG von März 2005 bis Februar 2007 geförderten internationalen Forschungsprojekts "flex CAREER - Flexibilitätsformen beim Berufseinstieg und in der frühen Erwerbskarriere".

Fragestellung und Zielsetzung des Projekts

Aufgrund des gestiegenen Wettbewerbsdrucks der letzten Jahrzehnte sehen sich viele nationale Regierungen veranlasst, wirtschaftliche Reformen mit dem Ziel der Erleichterung von Beschäftigungsflexibilität einzuführen. Es liegt auf der Hand, dass diese Reformen potentiell Auswirkungen auf die sozialen Ungleichheitsstrukturen in diesen Gesellschaften haben. Das Projekt konzentriert sich auf die Auswirkungen von Flexibilisierungsprozessen auf die späte Erwerbskarriere und den Übergang in die Rente. 

Neben den Berufseinsteigern, die aufgrund fehlender Seniorität, Berufserfahrung, Interessenvertretung und Netzwerken in besonderem Maße von flexiblen und prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen sind, erwarten wir auch überdurchschnittliche Erwerbsrisiken für ältere Arbeitnehmer, die deshalb Gegenstand des Fortsetzungsprojektes sind. Denn mit dem beschleunigten technologischen Wandel und dem verstärkten globalen Wettbewerb sind die Qualifikationen der älteren Beschäftigten zunehmend überholt und auf den Arbeitsmärkten weniger nachgefragt. Darüber hinaus sind ältere Beschäftigte für Unternehmen vergleichsweise teuer. Frühverrentungen, Arbeitslosigkeit und berufliche Abstiege von älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern erscheinen daher wahrscheinlich. Prekäre Beschäftigungsformen wie auch längere Phasen der Arbeitslosigkeit stellen dabei nicht nur eine unsichere Phase im späten Erwerbsverlauf dar, sie dürften darüber hinaus Folgen für das Renteneinkommen und für das Risiko von Altersarmut haben. Es ist jedoch zu erwarten, dass Richtung und Ausmaß von Veränderungsprozessen stark von nationalen institutionellen Kontexten geprägt sind.

Unser Ziel ist es daher, international vergleichend den Einsatz von Flexibilitätsstrategien in ihren Auswirkungen auf die späte Erwerbskarriere und den Übergang in die Rente zu untersuchen und zu klären, welche Folgen sich durch unterschiedliche Strategien für die soziale Ungleichheit in diesen Gesellschaften ergeben. Die Untersuchung bezieht sich auf folgende Länder: Deutschland, Großbritannien, USA, Italien, Spanien, Niederlande, Dänemark, Schweden, Ungarn und Estland. Diese Länder unterscheiden sich in charakteristischer Weise in den institutionellen Kontexten, vor allem im Hinblick auf ihre Wohlfahrtsstaatsregime, Produktionsregime und Bildungssysteme.

Ein wichtiges Interesse des Projektes liegt in der Untersuchung sozialen Wandels. Dazu werden für die einzelnen Länder mehrere Kohorten miteinander verglichen. Der Fokus liegt vor allem auf der Frage, inwieweit der Einsatz von Strategien zur Beschäftigungsflexibilisierung zu einer Rückverlagerung von Marktrisiken auf die Individuen (Rekommodifizierung) und zu einer Verstärkung sozialer Ungleichheiten in modernen Gesellschaften beiträgt und darüber hinaus, inwieweit sich diese Rekommodifizierungsprozesse in den untersuchten Ländern unterscheiden.

Wir nehmen an, dass die nationale Prägung von unternehmerischen Flexibilitätsstrategien und der generelle Kontext der wohlfahrtsstaatlichen Absicherung einen starken Einfluss darauf haben, wie sich die soziale Ungleichheit in den zehn genannten Ländern im Prozess der Arbeitsmarktflexibilisierung entwickelt: Während beispielsweise in bereits flexiblen Systemen individuelle Ressourcen (wie etwa Humankapital) eine sehr wichtige Rolle für eine flexible bzw. unsichere Beschäftigung spielen dürften, werden in starren, regulierten Systemen andere Mechanismen, wie etwa die Zugehörigkeit zu einem internen Arbeitsmarkt oder bestimmten Wirtschaftsbranchen, von größerer Bedeutung sein.

Projektdesign

Das vorliegende Projekt plant für die späte Erwerbskarriere und den Übergang in die Rente

  1. eine theorieorientierte quantitative Analyse der Dynamik von Flexibilisierungsstrategien auf individueller Ebene zu liefern;
  2. die Beziehung zwischen länderspezifischen Institutionenpaketen einerseits und der Dynamik des späten Erwerbsverlaufs und des Übergangs in die Rente anderseits herauszuarbeiten;
  3. und dabei systematisch zu analysieren, in welcher Weise sich soziale Ungleichheitsstrukturen bei zunehmendem wirtschaftlichem Wettbewerb in Abhängigkeit von Institutionenkontexten wandeln; sowie
  4. schließlich auf methodologischer Ebene den Längsschnitt- und Kohortenansatz in der international vergleichenden Arbeitsmarktforschung weiter voranzutreiben.

Im Projekt wird folgende Doppelstrategie praktiziert: für drei ausgewählte Länder (Deutschland, Großbritannien, Dänemark) zielgenaue Pilotstudien zu erarbeiten, die dann auf der Grundlage bereits etablierter Kooperationsbeziehungen der Antragsteller mit ausländischen Wissenschaftlern für weitere sieben Länder (Italien, Spanien, Ungarn, Schweden, Estland, Niederlande, USA) strukturgleich repliziert werden. Zentrales Ziel unseres Projektes ist es, die Ergebnisse ähnlich angelegter Analysen der Erwerbsdynamiken im Flexibilisierungsprozess in verschiedenen Ländern zu vergleichen.

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