Der Einfluss sozialer Netzwerke auf Fertilität: Ansteckungseffekte in drei Interaktionsdomänen

Das Ziel des von der DFG geförderten Projektes ist es, den Einfluss sozialer Netzwerke auf individuelle Fertilitätsentscheidungen auf Basis deutscher Längsschnittdaten quantitativ zu bestimmen. Im Zentrum steht die Frage, ob Fertilität zwischen Interaktionspartnern „ansteckend“ wirkt. Das Projekt untersucht diese Frage anhand von drei Interaktionsdomänen: Familie, Freundeskreis und Arbeitsplatz.

Fragestellung und Zielsetzung

Thematisch wird eine zentrale soziologische Idee aufgegriffen, die in den letzten Jahren zunehmend auch Eingang in die Fertilitätsforschung gefunden hat. Erste internationale Befunde deuten darauf hin, dass Fertilitätsentscheidungen innerhalb von Netzwerken über soziale Interaktionen diffundieren. Zu diesem Phänomen bestehen allerdings noch erhebliche Wissenslücken. Erstens liegen derzeit nur sehr wenige Untersuchungen vor, die solche Ansteckungseffekte adäquat identifizieren und quantifizieren. Zweitens geben quantitative Analysen zu diesen Effekten bislang kaum Einblick in die zugrunde liegenden Mechanismen.

Um diese Wissenslücken zu schließen, wird in diesem Projekt der Einfluss sozialer Netzwerke auf Fertilität auf Basis der analytischen Soziologie untersucht. Diese theoretische Perspektive erlaubt es, die Interaktionsmechanismen, die soziale Ansteckungseffekte fertilen Verhaltens vermitteln können, zu spezifizieren und empirisch zu überprüfen. Dazu sind empirische Untersuchungen mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und Daten des Beziehungs- und Familienpanels (pairfam) vorgesehen. Das Projekt wird einen umfassenden Beitrag zur quantitativen Bestimmung des Einflusses sozialer Netzwerke auf fertiles Verhalten leisten.

Aktuelle Arbeiten

In einer aktuellen Studie des Projekts wird untersucht, wie die Wahrscheinlichkeit zu heiraten und Kinder zu bekommen vom Verhalten der Geschwister abhängt. Erste Analysen zeigten, dass tatsächlich die Wahrscheinlichkeit, selbst zu heiraten oder Kinder zu bekommen, ansteigt, wenn zuvor die Geschwister geheiratet oder Kinder bekommen haben. Unsere Forschung liefert somit Anhaltspunkte für „Ansteckungseffekte“ innerhalb der Familie. nach oben

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Teaser Einfluss Fertilität
Projektinfo

Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Laufzeit: 02/2017 bis 01/2019

Projektteam: Zafer Büyükkeçeci M.Sc., Prof. Dr. Henriette Engelhardt-Wölfler (Leitung), Prof. Dr. Thomas Leopold (Leitung)

Veröffentlichung

Pink, Sebastian/Leopold, Thomas/Engelhardt, Henriette (2014): Fertility and social interaction at the workplace: Does childbearing spread among colleagues? In: Advances in Life Course Research, 21, S. 113-122.