Bildung, Familie und die Zeit für Kinder

In dem Projekt wurde eine Trendanalyse der Zeitverwendung von Müttern und Vätern für Kinderbetreuung für die aktuell vergangene Dekade in Deutschland durchgeführt.

Ausgangspunkt der Untersuchung

Die Zeit, die Eltern mit ihren Kindern verbringen, wird als wichtige elterliche Ressource für die Entwicklung der Kinder und deren soziale Chancen angesehen. Wie die bisherige Forschung gezeigt hat, ist die Bildung der Eltern hierfür von enormer Bedeutung. Mütter und Väter mit höherer Bildung verbringen nicht nur mehr Zeit mit ihren Kindern als Eltern mit niedrigerer Bildung, sie verwenden auch mehr Zeit für Aktivitäten, welche die Entwicklung ihrer Kinder unterstützen. In verschiedenen länderübergreifenden Studien wurden diese Muster auch für Deutschland im Querschnitt aufgezeigt.

Zielsetzung und methodisches Vorgehen

Bearbeitet wurden zwei Forschungsfragen:

  1. Wie hat sich die Zeitverwendung für Kinder und die Art der Zeitverwendung für Kinder in den letzten zehn Jahren verändert?
  2. Wie hängt die Zeitverwendung für Kinder mit den Bildungsniveaus der Eltern zusammen?

Die empirischen Analysen wurden mit den Daten der Deutschen Zeitverwendungsstudie der Jahre 2001/2002 und 2012/2013 durchgeführt.

Ergebnisse

Die Zeit, die Mütter für Kinderbetreuung verwenden, ist zwischen 2001/2002 und 2012/2013 signifikant von 88 auf 101 Minuten pro Wochentag (montags bis freitags) angestiegen. Die Zeit für die Grundversorgung von Kindern (z. B. Waschen, Füttern, Windel wechseln) ist im gleichen Zeitraum ebenfalls angestiegen, was den Großteil des Anstiegs der Gesamtzeit für Kinderbetreuung ausmacht. Bei allen anderen Tätigkeiten, wie beispielsweise Lesen oder Helfen, hat sich die Zeitverwendung über den Untersuchungszeitraum nicht signifikant verändert. Für Männer zeigen sich sehr ähnliche Entwicklungen. Die Gesamtzeit für Kinderbetreuung ist im Mittel von 33 auf 41 Minuten pro Wochentag gestiegen. Dieser Anstieg geht fast komplett auf die gestiegene Zeit für die Grundversorgung von Kindern zurück. Bei keiner weiteren Einzeltätigkeit ist eine signifikante Veränderung zu beobachten. Diese Befunde spiegeln insgesamt den Trend bereits bekannter Zeitverwendungsstudien wider. Nach einer Phase geringer Veränderungen der Kinderbetreuungszeit zwischen 1991/1992 und 2001/2002 ist dieses Zeitbudget in der ersten Dekade der 21. Jahrhunderts wieder leicht angestiegen.

Erstaunlicherweise, denn das wurde theoretisch und vor dem Hintergrund vergleichbarer internationaler Studien nicht erwartet, zeigten unsere Analysen kaum signifikante Zusammenhänge zwischen der Zeitverwendung für Kinder und dem Bildungsniveau der Eltern. Der international beobachtbare Trend, dass Eltern mit höherer Bildung mehr Zeit für Kinderbetreuung verwenden, ist für Deutschland nur auf wenige Einzelfälle übertragbar.nach oben

Projektinfo

Eigenprojekt mit Förderung durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration

Laufzeit: 01/2016 bis 12/2017

Projektteam: Prof. Dr. Henriette Engelhardt-Wölfler, Dr. Florian Schulz (Projektleitung)

Veröffentlichung

Schulz, Florian/Engelhardt, Henriette (2017): The development, educational stratification and decomposition of mothers’ and fathers’ childcare time in Germany. An update for 2001–2013. Zeitschrift für Familienforschung – Journal of Family Research, 29, 3, S. 277-297.