Väter und Erziehungsurlaub

Um dem Phänomen der einseitigen Nutzung des Erziehungsurlaubs durch Mütter nachzugehen. wird im Rahmen dieser Studie untersucht, welche objektiven Strukturen und äußeren Rahmenbedingungen dem im Wege stehen und welche subjektiven Gründe sich dahinter verbergen.

Gegenstand der Untersuchung

Das Bundeserziehungsgeldgesetz erlaubt eine partnerschaftliche Nutzung des Erziehungsurlaubs durch beide Elternteile.

Der Gesetzgeber wollte durch die neue, verbesserte Regelung insbesondere auch die Beteiligung der Väter an der Betreuung und Erziehung des Kindes fördern und erleichtern.

Statistische Daten und empirische Untersuchungen deuten auf der einen Seite auf eine große Akzeptanz der beiden Maßnahmen hin:

  • die Inanspruchnahme von Erziehungsgeld und -urlaub ist sehr hoch,
  • beide Maßnahmen werden von der Mehrheit junger Familien positiv beurteilt,

belegen andererseits jedoch, daß die Inanspruchnahme des Erziehungsurlaubs durch die Väter die Ausnahme bleibt und fast ausschließlich die Mütter von der Möglichkeit des Erziehungsurlaubs Gebrauch machen:

  • Seit Einführung der Maßnahme ist zwar die Zahl der Väter, die Erziehungsurlaub genommen haben absolut gesehen in den alten Bundesländern von 1.824 (im Jahr 1987) auf 4.910 (im Jahr 1996) gestiegen, aber der relative Anteil männlicher Erziehungsurlauber hat in diesem Zeitraum nur von 0,7 auf 1,4 Prozent erhöht.
  • In den neuen Bundesländern nahmen 1991 235 Väter Erziehungsurlaub, 1996 waren es 532, d.h. relativ gesehen hat sich der Anteil an Erziehungsurlaubern dort von 0,4 auf 1,2 Prozent erhöht.
  • Auch die Ausweitung der Maßnahme seit 1992 und die Möglichkeit des mehrfachen Wechsels beider Partner haben zu keiner stärkeren Nutzung der Maßnahme seitens der Väter geführt.

Um dieser komplexen Thematik gerecht zu werden, wurde bei der Studie "Väter und Erziehungsurlaub" ein duales Forschungsdesign verwendet:

  • Quantitative Teilstudie:
    Im Rahmen einer repräsentativ angelegten quantitativen Teilstudie wurden 1000 junge Väter aus dem Bamberger Ehepaar-Panel und dem Bamberger NEL-Panel mittels telefonischer bzw. schriftlicher, standardisierter Interviews nach den Gründen gefragt, warum sie keinen Erziehungsurlaub genommen haben.
  • Qualitative Teilstudie:
    Zusätzlich wurden in der qualitativen Teilstudie bei 50 jungen Familien aus drei Bundesländern mittels ausführlicher Interviews die Beweggründe für oder gegen die Inanspruchnahme des Erziehungsurlaubs durch den Vater erhoben. Um die betrieblichen Zusammenhänge und die Sichtweise der Arbeitgeber einzubeziehen, wurden zusätzlich auch 30 Betriebe befragt.

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Teaser Vater-sohn
Projektinfo

Projekt gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit

Laufzeit: 01.03.1995 bis 31.07.1997

Projektleitung: Prof. Dr. Dr. L. A. Vaskovics

Projektbearbeitung: Dipl.-Soz. Harald Rost, Dipl.-Soz. Werner Lachenmaier

Veröffentlichungen

Doris Rosenkranz/Harald Rost/Andrea Schröther: Väter und Erziehungsurlaub. Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung, ifb-Materialien 7-1996.

Laszlo A. Vaskovics/Harald Rost (unter Mitarbeit von W. Lachenmeier, D. Rosenkranz und A. Schröther) (1999): Väter und Erziehungsurlaub. Schriftenreihe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Band 179. Stuttgart.