Internationaler Vergleich von demografischem Wandel

Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Fertilitätsentwicklung in Deutschland im Kontext internationaler demografischer Trends zu rekonstruieren. Dabei werden relevante Unterschiede in den nationalen Rahmenbedingungen skizziert und in ihrer Bedeutung für Fertilitätsentscheidungen analysiert. Verschiedene nationale Kontextmuster sollen dabei herausgearbeitet und im Hinblick auf ihre mögliche Vorbildfunktion für den deutschen Fall kritisch diskutiert werden.

Fragestellung und Zielsetzung des Projektes

Die Betrachtung der Geburtenentwicklung der letzten 40 Jahre lässt in allen westlichen Industriestaaten einen demografischen Wandel sichtbar werden, der sowohl durch ein Absinken der Geburtenrate als auch eine zeitliche Verlagerung der Familienbildung in spätere Phasen des Lebenslaufs gekennzeichnet ist. Dieser Trend findet sich in allen modernen Gesellschaften wieder, sein Ausmaß variiert jedoch je nach betrachtetem Land. Während die angelsächsischen und nordeuropäischen Länder mit einer durchschnittlichen Geburtenrate (von Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren) zwischen 1,70 und 2,08 noch vergleichsweise hohe Geburtenraten pro Frau aufweisen, zählt Deutschland mit einer Geburtenzahl von knapp über 1,3 zu den Industrieländern mit unterdurchschnittlicher Fertilität. Trotz der graduellen Ausweitung der familienpolitischen Unterstützung von Familien in Deutschland ist bislang keine Umkehr des Trends, sondern lediglich eine Stagnation der Geburtenentwicklung auf niedrigem Niveau zu beobachten. Im Falle einer Fortschreibung dieses Trends ergeben sich für die Sozialsysteme im vereinten Deutschland langfristig gravierende Finanzierungsprobleme.

Im Zentrum des Interesses stehen die Länder der erweiterten Europäischen Union. Zum Vergleich – insbesondere auf dem Hintergrund der dort vergleichsweise hohen Geburtenraten sollen – sollen diese jedoch um ausgewählte außereuropäische Länder wie die USA ergänzt werden. Aufgrund dieses breiten internationalen Zuschnitts arbeitet das Projekt hauptsächlich sekundäranalytisch mit bereits existierenden Datensätzen.

Projektdesign

Das Projekt basiert auf vier verschiedenen Komponenten:

Zum einen werden grundlegende demografische Trends wie die allgemeine Bevölkerungsentwicklung, die Entwicklung von Geburten- und Fertilitätsrate sowie das Timing zentraler familialer Übergänge (erste Geburt, Heirat) untersucht.

Darüber hinaus werden relevante nationale Kontextbedingungen systematisch rekonstruiert. Hierzu zählen einerseits institutionelle Rahmenbedingungen von Wohlfahrtsstaat (z.B. familienpolitische Leistungen, Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf) und Arbeitsmarkt (z.B. Flexibilität von Erwerbsverhältnissen und Arbeitsformen), und andererseits kulturelle Rahmenbedingungen wie individuelle Einstellungsmuster und gesellschaftsweite Normen und Wertvorstellungen. Die Ergebnisse der Datenrecherche wurden in einer umfassenden internationalen Datenbank mit über 200 Indikatoren zusammengeführt, die laufend aktualisiert wird.

Auf Basis dieser Typologie werden individuelle Verlaufmuster des Fertilitätsverhaltens für ausgewählte Länderbeispiele auf Basis von nationalen Längsschnittdaten rekonstruiert.

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Projektinfo

Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen

Laufzeit: Juli 2006 bis Dezember 2009

Projektleitung und -bearbeitung: Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld, Dr. Marina Rupp, Dipl.-Soz. Dirk Hofäcker