Netzwerk Familienpaten Bayern - Wissenschaftliche Begleitung des Modellprojekts

Das Konzept der Familienpatenschaften ist ein niedrigschwelliges Angebot, das Eltern und andere Erziehungsberechtigte in ihrem Familienalltag unterstützen soll. Es versteht sich als primärpräventives Angebot für Familien und grenzt sich in diesem Sinne von professionellen Hilfen und Interventionsprogrammen im Rahmen des SGB VIII ab.

Gegenstand der Untersuchung

Familienpat(inn)en sind ehrenamtlich tätige Frauen und Männer, die zeitlich begrenzt alltagspraktische Hilfen gewähren.

Zur Umsetzung des flächendeckenden Ausbaus von Familienpatenschaften wurde das Modellprojekt „Netzwerk Familienpaten Bayern“ initiiert, welches ein Kooperationsprojekt zwischen dem Deutschem Kinderschutzbund Landesverband Bayern e.V., dem Bayerischen Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes e.V., dem Landesverband Mütter- und Familienzentren in Bayern e.V. ist (in der ersten Phase des Modellprojekts war das Zentrum aktiver Bürger, Nürnberg ebenfalls Kooperationspartner).

Zielsetzung und methodisches Vorgehen

Ein Ziel der wissenschaftlichen Begleitung war es unter anderem, Informationen zum Nutzen eines solchen Angebotes sowie Erkenntnisse über mögliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung dieses Projekts zu erhalten. Hierzu wurden zu zwei Zeitpunkten Informationen zu den Familien, den Pat(inn)en sowie zur Patenschaft erhoben. Um ein umfassendes Bild der Patenschaften zu erhalten, wurden alle Projektbeteiligten – die Koordinatorinnen, die Pat(inn)en und auch die Familien selbst – einbezogen. Die Erhebungen fanden jeweils zu Beginn und am Ende der Patenschaft statt. 

Ausgewählte Ergebnisse

In der ersten Phase des Modellprojekts „Netzwerk Familienpaten Bayern“ konnten an insgesamt 11 Modellstandorten 87 Familienpatenschaften begründet werden. Von diesen 87 Familien nahmen 52 zu Beginn und 40 Familien am Ende der Patenschaft an der Befragung teil – zu beiden Zeitpunkten konnten 39 Familien erreicht werden.

Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (n = 27; 53 %) hat eine Partnerin oder einen Partner, die allerdings nicht immer im gleichen Haushalt leben. Davon sind 15 – wiederum gut die Hälfte – mit ihr bzw. ihm verheiratet. Unterscheidet man die Familien in Paar- und Einelternfamilien, so stellen die Alleinerziehenden – definiert durch das Fehlen eines Partners/einer Partnerin im Haushalt – mit 28 Familien die Mehrheit der teilnehmenden Familien (55 %). Diese sind somit unter den Patenschaften überproportional vertreten, was bereits als erster Hinweis auf die Bedarfe, die eine Patenschaft begründen, gewertet werden kann. Paarfamilien sind demgegenüber mit 23 Haushalten deutlich unterrepräsentiert (45 %). Hingegen sind kinderreiche Familien (drei oder mehr Kinder) in dieser Stichprobe sowohl in Paarhaushalten (56,5%) als auch unter Alleinerziehenden (25,0%) überproportional vertreten.

Die Ausgangssituation und erfolgte Unterstützungsleistung

Familien, welche eine Patenschaft in Anspruch nehmen, zeichnen sich oftmals durch eine schwierige Familienkonstellation aus, was sich vor allem auf das Alleinerziehen oder eine größere Kinderzahl gründet. Daneben spielen auch kritische Lebensereignisse – wie insbesondere die Erkrankung eines Familienmitglieds – eine Rolle, hinzu kommen oftmals kindbezogene Schwierigkeiten und weitere Problemlagen (z. B. finanzieller Natur oder in der Beziehung).

Am häufigsten erfolgt die Unterstützung in den Bereichen Kinderbetreuung und Freizeitgestaltung. Seltener, aber bedeutsam, sind andere kindbezogene Formen der Hilfestellung, wie die Förderung des Kindes im schulischen Bereich. Aktivitäten zur Förderung der Erziehungskompetenz der Eltern, die letztlich ein zentrales Anliegen der Familienbildung darstellt, wurden von den Koordinatorinnen und Pat(inn)en berichtet, nicht jedoch von den Familien als solche wahrgenommen. Die Unterstützung im Alltag konzentriert sich auf die Hilfe bei der Haushaltsführung und Erledigungen. Relativ viele Familien nannten (außerdem) Unterstützungsleistungen im sozialen Bereich, vor allem beim Aufbau eines Netzwerks.

Veränderungen durch die Familienpatenschaft

39 Familien konnten sowohl zu Beginn als auch am Ende der Familienpatenschaft befragt werden, wodurch Veränderungen untersucht werden können. Die Entwicklungen im Kontext der Patenschaften lassen sich zu folgenden vier Dimensionen zusammenfassen:

  • „Schwierigkeiten zwischen den Familienmitgliedern“ (= Dimension 1),
  • „Mangel an Ansprechpartnern im Umfeld“ (= Dimension 2),
  • „Zeitmangel und Überlastung“ (= Dimension 3) sowie
  • „Überforderung im Alltag und in der Kinderbetreuung“ (= Dimension 4).

Wie die Grafik zeigt, ergaben sich signifikante Veränderungen bei drei der vier Dimensionen. „Schwierigkeiten zwischen den Familienmitgliedern“ wurden zum Zeitpunkt der Endmessung weniger wahrgenommen. Auch hinsichtlich der Ansprechpartner(innen) im sozialen Umfeld hat sich eine Verbesserung ergeben. So berichten die Befragten nun häufiger davon, Freunde und Bekannte zu haben, mit denen sie sich treffen. Außerdem wird öfter beschrieben, dass die Familienmitglieder gut miteinander auskommen. Kaum verändert hat sich das Problem der mangelnden Zeit, was möglicherweise darauf zurückgeht, dass nun häufiger als zu Beginn des Programms familiäre Verpflichtungen wahrgenommen werden. Wenngleich diese Belastungserscheinungen bei den Familien nicht signifikant reduziert worden sind, zeigt sich dennoch, dass die Intensität und die Wahrnehmung dieser Stresssituationen deutlich abgenommen haben: Trotz nahezu konstanter Überlastungserscheinungen nehmen die Befragten seltener eine Überforderung im Alltag und in der Kinderbetreuung wahr. Dies könnte ein Hinweis auf eine Zunahme von Kompetenzen im Umgang mit stressigen Situationen sein.

Graph Familienpaten

Weiterer Projektverlauf

Momentan befindet sich das Modellprojekt „Netzwerk Familienpaten Bayern“ in Phase II und wird vorerst bis 14.06.2014 vom Bayerischen Sozialministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration gefördert. Ziel dieser zweiten Phase ist unter anderem die Öffnung des Projekts für weitere Träger und die bayernweite Etablierung von Standorten.

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Teaser Familienpaten
Projektinfo

Das Projekt wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration

Laufzeit:
Phase I: 1/2010 bis 12/2012
Phase II: 7/2012 bis 12/2014

Projektleitung: Dr. Marina Rupp

Projektbearbeitung: Dipl.-Psych. Pia Bergold, Dipl.-Soz. Andrea Buschner

Erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung

Veröffentlichungen

Bergold, Pia/Rinklake, Annika/Rupp, Marina: Netzwerk Familienpaten Bayern – Beurteilung der Schulungen, Teilbericht I. Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung, ifb-Materialien 2-2012.

Bergold, Pia/Buschner, Andrea/Rupp, Marina: Netzwerk Familienpaten Bayern – Durchführung der Familienpatenschaften, Teilbericht II. Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung, ifb-Materialien 2-2013.