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Forschung


Schwerpunkte
Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Zur gesellschaftlichen Situation

Familie und Beruf befriedigend zu verbinden, ist für viele Eltern heute ein wichtiges Ziel, das aber noch immer mit vielen Schwierigkeiten verbunden ist. Aus diesem Grund wird die Problematik der Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und -erziehung mit einer Erwerbstätigkeit seit langem wie kaum ein anderes Thema auf der politischen und wissenschaftlichen Ebene diskutiert.

Infolge zunehmender Frauenerwerbstätigkeit und abnehmender Geburtenzahlen wurden bereits 1986 familienpolitische Maßnahmen eingeführt. Sie boten sowohl eine monetäre Anerkennung für die Erziehungsarbeit als auch eine Freistellung von der Erwerbstätigkeit nach der Geburt eines Kindes – damals bemerkenswerterweise noch als „Urlaub“ bezeichnet. Eine Arbeitsplatzgarantie sollte zudem den Wiedereinstieg der Mütter in den Arbeitsmarkt erleichtern. Mit der Einführung des Elterngeldes ab 2007 wurden neue politische Akzente gesetzt: Das Elterngeld wird als Lohnersatzleistung in Höhe von 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens bzw. bei fehlendem oder zu geringem Einkommen in Form einer Pauschale gezahlt. Die finanzielle Leistung wird maximal für 14 Monate gewährt, in einigen Bundesländern, so auch in Bayern, durch ein Landeserziehungsgeld ergänzt. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Kinderbetreuung, insbesondere für die unter dreijährigen Kinder auszubauen. Auf der politischen Ebene erhoffte man sich durch diese Maßnahmen höhere Geburtenzahlen, da die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf als ein wichtiger Grund dafür angesehen wird, dass junge Paare weniger Kinder bekommen, als sie sich eigentlich wünschen. Als ein Effekt der Maßnahme kehren Mütter früher in den Beruf zurück, was die Frage der Vereinbarkeit noch bedeutsamer werden lässt.

Zudem wurde erwartet, dass die Anreize zur Beteiligung der Väter an der Elternzeit das Engagement der Männer im familialen Bereich einerseits und damit einhergehend auch die Akzeptanz beruflicher Pausen im Erwerbssystem andererseits fördern. Bisherige Statistiken weisen auch tatsächlich einen Anstieg des Väteranteils unter den Antragstellenden aus. Während vor 2007 nur etwa 3 bis 5 % der Väter den damaligen Erziehungsurlaub in Anspruch nahmen, steigt der Anteil der Väter, die das neue Elterngeld beantragen, seit 2007 kontinuierlich. Er lag im Jahr 2009 bundesweit bei etwa einem Fünftel. Bayerische Väter liegen deutlich über dem Durchschnitt: Unter den Anträgen des Jahres 2009 lag der Anteil, zu dem bayerische Väter das Elterngeld nutzen wollten, sogar bei 25,4 %. Allerdings verweilen Väter deutlich kürzer als Mütter in der Elternzeit. Während 80 % der Väter höchstens zwei Monate in Anspruch nehmen, pausieren die Mütter durchschnittlich 11 Monate. Die Möglichkeit zur zeitweisen gemeinsamen Nutzung wird bundesweit von etwa der Hälfte der Eltern wahrgenommen, in Bayern sogar von 62 %. Das heißt, viele Väter bleiben dann zuhause, wenn auch die Mutter in Elternzeit ist.

Väter, die Elternzeit nutzen wollen, denken also eher an eine kurze Elternzeit (1 bis 2 Monate), während der sie nicht berufstätig sein wollen. Wenn Väter allerdings Elternzeiten länger als 2 Monate planen, dann ist diese für die Mehrheit mit einer Erwerbstätigkeit in Teilzeit verbunden. Dies unterstreicht die höhere Bindung der Männer an den Beruf.

Forschungsstand und Forschungsaktivitäten

Die Familienforschung beobachtet und analysiert die Thematik vor allem vor dem theoretischen Hintergrund des Wandels der Geschlechterrollen. Dabei treten widersprüchliche Trends zu Tage: Empirische Studien zeigen auf der einen Seite, dass sich die Einstellungen von Frauen und Männern stark gewandelt haben und immer mehr Frauen nach der Geburt möglichst bald wieder in den Beruf zurückkehren möchten. Gleichzeitig sind immer mehr Väter damit unzufrieden, ausschließlich die Ernährerrolle zu übernehmen, und wünschen sich mehr Teilhabe an Kindererziehung und -betreuung. Auf der anderen Seite verdeutlichen die Ergebnisse der Familienforschung aber auch, dass entsprechende Vorstellungen von einer partnerschaftlichen Arbeitsteilung in der Realität nur selten umgesetzt werden.
Eine Reihe von Projekten am ifb hat sich in der Vergangenheit zum Ziel gesetzt, die Gründe für diese Diskrepanz zu erforschen. Das Projekt „Väter und Erziehungsurlaub“ machte deutlich, dass im Wesentlichen die Befürchtung erheblicher finanzieller Einbußen, beruflicher Schlechterstellung nach dem Wiedereinstieg, geringerer Aufstiegschancen oder gar direkter Sanktionen durch Vorgesetzte und Kollegen dem entgegen stehen, dass mehr Väter die Elternzeit wahrnehmen. Auch traditionale Rollenvorstellungen – vor allem in der Arbeitswelt – erschweren Vätern eine höhere Beteiligung an der Familienarbeit. Die männliche Berufskarriere gilt – trotz vorhandener Gegenbeispiele – für viele noch immer als unvereinbar mit einer familienbezogenen Berufspause oder einer Teilzeitbeschäftigung. Im Rahmen des Projekts „Auf der Suche nach den neuen Vätern“ konnte auf Basis ausführlicher Interviews mit Eltern gezeigt werden, dass gleich hohe Einkommen der Partner eine offenbar notwendige, aber keinesfalls hinreichende Voraussetzung für eine partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit sind. Es zeigt sich, dass vor allem eine stabile berufliche Situation, zum Beispiel eine hohe Arbeitsplatzsicherheit durch eine Beschäftigung im öffentlichen Sektor, und eine geringe Karriereorientierung des Mannes, verbunden mit einer starken Berufsorientierung der Frau, egalitäre Arrangements fördern.

Dem Aufgabenspektrum des ifb entsprechend werden die hier skizzierten Forschungsfragen aus verschiedenen Blickwinkeln bearbeitet. Im Bereich der sozialwissenschaftlichen Grundlagenforschung führte das ifb in Kooperation mit der Otto-Friedrich-Universität Bamberg das von der DFG geförderte Projekt „Innerfamiliale Arbeitsteilung als Prozess“ durch. Dieses Forschungsvorhaben beschäftigt sich mit der Verteilung von Erwerbs-, Haushalts- und Familienarbeit zwischen Frauen und Männern in Paarbeziehungen. Ziel ist es unter anderem herauszufinden, welche Ursachen für die weitgehende Stabilität traditioneller Geschlechterrollen in der Bundesrepublik Deutschland verantwortlich sind. Neben diesen eher theoretischen Fragestellungen treten aber auch solche nach konkreten Veränderungsansätzen in der Praxis. Hierzu wird eine Reihe von praxisorientierten Forschungsprojekten bearbeitet. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt „Familienfreundliche Hochschule“, das ebenfalls in Kooperation mit der Otto-Friedrich-Universität Bamberg durchgeführt wird. Die Aufgabe des ifb besteht dabei in der wissenschaftlichen Begleitung des Auditierungsverfahrens als familiengerechte Hochschule. In diesem Zusammenhang wurde beispielsweise eine Bedarfserhebung bei studierenden Eltern zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Studium“ vorgenommen.

Ein weiterer Baustein ist eine qualitative Studie, in der werdende Eltern zunächst während der Schwangerschaft nach ihren Vorstellungen und Plänen befragt wurden. Als ihr erstes Kind zirka ein halbes Jahr alt war, wurde ein zweites Interview durchgeführt, um festzustellen, wie die konkrete Realität gestaltet wird und welche Erklärung es für die jeweilige Lösung gibt.

Die Aufgabenteilung auf europäischer Ebene ist neben anderen Themenfeldern Gegenstand des Projekts FAMILYPLATFORM.



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