Aktuelle Projekte
Modellprojekt Familienstützpunkte
Umsetzung des Gesamtkonzeptes zur Familienbildung
im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe in Bayern
Gegenstand der Untersuchung
Das Modellprojekt „Familienstützpunkte“ basiert auf dem Bayerischen Gesamtkonzept zur Eltern- und Familienbildung, welches das ifb in den vergangenen zwei Jahren im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen entwickelt hat. Entsprechend der rechtlichen Basis, die § 16 SGB VIII bildet, verortet das Gesamtkonzept die Familienbildung in der Jugendhilfe. Vor diesem Hintergrund werden nun im Rahmen eines zweijährigen Modellprojekts elf bayerische Städte und Landkreise gefördert, um unter Federführung des örtlichen Jugendamtes kommunale Konzepte der Familienbildung zu entwickeln und „Familienstützpunkte“ einzurichten. Familienstützpunkte sind niedrigschwellige Anlauf- und Kontaktstellen für Familien, die Informationen oder Angebote der Eltern- und Familienbildung zur Verfügung stellen oder vermitteln.
Im ersten Projektjahr (2010 bis 2011) werden zunächst die im Gesamtkonzept vorgesehenen Schritte in den Modellkommunen exemplarisch umgesetzt:
- Bestandserhebung aller familienbildenden Einrichtungen und Angebote vor Ort
- Bedarfsermittlung und -analyse auf der Basis vorliegender und neu erhobener Daten
- Einbeziehung aller (potenziellen) Anbieter und Träger familienbildender Maßnahmen in den Prozess und Bildung einer adäquaten Vernetzungsstruktur
- Abgleich von Bestand und Bedarf und Erarbeitung einer kommunalen Konzeption zur Familienbildung
Im zweiten Projektjahr (2011 bis 2012) werden dann auf der Grundlage der jeweils vor Ort erarbeiteten Konzeption die Familienstützpunkte eingerichtet. Sie sollen einen niedrigschwelligen Zugang eröffnen und für alle Eltern im Sozialraum attraktiv und gut erreichbar sein. Dabei werden bereits vorhandene Strukturen für familienbildende Angebote genutzt und ausgebaut. Die Initiative zur Einrichtung der Familienstützpunkte geht vom örtlichen Jugendamt aus, welches sich dabei mit den relevanten Akteuren vor Ort abstimmt. Der Vernetzungsprozess auf lokaler Ebene stellt einen zentralen Bestandteil des Modellprojekts dar. In diesem Rahmen geht es auch darum, einen gemeinsamen Begriff von Familienbildung zu entwickeln. Als Betreiber eines Familienstützpunktes können neben dem Jugendamt auch freie Träger der Jugendhilfe fungieren.
Das Modellprojekt „Familienstützpunkte“ zielt langfristig auf die bessere Vernetzung der Angebote der Familienbildung in der Kommune sowie auf die Entwicklung eines konzeptionellen Rahmens für die stetige bedarfsorientierte Aktualisierung der unterschiedlichen Informationen und eine kontinuierliche Kommunikation zwischen den Akteuren.
Methodisches Vorgehen
Das ifb unterstützt und begleitet die Umsetzung des Familienbildungskonzepts an den elf Modellstandorten aus wissenschaftlicher Sicht. Seine Aufgaben sind zum einen die Unterstützung der praktischen Umsetzung des Gesamtkonzepts vor Ort und zum anderen die Dokumentation und Auswertung der Erfahrungen und Ergebnisse im Rahmen der Begleitforschung. Zu den konkreten Aufgaben zählen insbesondere
- Information über und Diskussion von möglichen Vorgehensweisen
- Entwicklung und Bereitstellung von Erhebungsinstrumenten
- Entwicklung und Bereitstellung von Dokumentationsinstrumenten
- Unterstützung bei Auswertung von Informationen
- Förderung des Austausches zwischen den Standorten
- Dokumentation des Projektfortschritts inklusive Rückmeldungen
- Fachliche und kreative Inputs (z. B. zu Strategien und Netzwerkarbeit, Öffentlichkeitsarbeit)
Unterstützung der praktischen Umsetzung des Gesamtkonzepts
Bei der Umsetzung der einzelnen Projektschritte werden die Standorte durch Inputs und die Entwicklung geeigneter Erhebungsinstrumente und anderer Arbeitshilfen unterstützt. Insbesondere bei den methodischen und arbeitstechnischen Schritten zur Erreichung einer ressourcenschonenden Verstetigung der konzeptionellen Aufgaben bietet das ifb Hilfestellung. So wurden für die Modellstandorte eintägige Workshops zu den Themenbereichen Bestandserhebung und Bedarfsermittlung durchgeführt, in welchen jeweils methodische und organisatorische Kenntnisse vermittelt und die für das Projekt eigens entwickelten Instrumente vorgestellt und diskutiert wurden. Informationen wurden auch zum Bereich Kooperation und Vernetzung mit den Akteuren vor Ort gegeben. Dadurch soll eine Strukturierung der Umsetzung des Familienbildungskonzepts sowie eine gewisse Vergleichbarkeit des Vorgehens erreicht werden.
Dokumentation und Begleitforschung
Gleichzeitig dokumentiert das ifb die Aktivitäten der Standorte und wertet die Erfahrungen im Sinne einer formativen Begleitforschung aus. Hierzu werden geeignete Instrumente entwickelt, die von den Verantwortlichen an den Standorten wie auch vom Projektteam im ifb kontinuierlich eingesetzt werden sollen. Sie beziehen sich sowohl auf inhaltliche Aspekte als auch auf prozessbezogene Merkmale des Projekts.
Veröffentlichungen
Rupp, Marina/Mengel, Melanie/Smolka, Adelheid: Leitfaden zur Familienbildung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe. ifb-Materialien 9-2009, Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung, 2009.
Rupp, Marina/Mengel, Melanie/Smolka, Adelheid: Handbuch zur Familienbildung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe in Bayern. ifb-Materialien 7-2010, Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung, 2010.
Projektinfo
Das Projekt wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen
Laufzeit: 4/2010 bis 8/2012
Projektteam: Dr. Adelheid Smolka (Leitung), Dipl.-Soz. Lena Friedrich, Sarah Wünn, M. A., Dorothee Engelhardt

