Aktuelle Projekte
Beziehungsverläufe - Stabilität, Übergänge
und Auflösung von Partnerschaften
Fragestellung und Zielsetzung des Projekts
In den letzten Jahrzehnten sind Beziehungsverläufe bekanntlich vielfältiger geworden, die Heiratsneigung ist gesunken, der Übergang zur Elternschaft vollzieht sich später und seltener und die Stabilität von Partnerschaften hat abgenommen. Diese Entwicklungen haben insgesamt zu einer wachsenden Pluralität von Lebensformen und einer stärkeren Ausdifferenzierung von Beziehungs- und Familienbiographien geführt. Ungeachtet dessen sind Übergänge in Beziehungsverläufen durch konkrete Ereignisse in der Paarbeziehung bestimmt. Zu diesen Ereignissen gehören insbesondere das Zusammenziehen in einen gemeinsamen Haushalt, die Geburt gemeinsamer Kinder, die Heirat, das Ausziehen der erwachsenen Kinder aus dem Elternhaus und die Auflösung der Partnerschaft durch Trennung bzw. Scheidung oder den Tod eines Partners. Die genannten Ereignisse initiieren und beenden jeweils Phasen im Beziehungsverlauf.
Das geplante Forschungsprojekt zielt darauf ab, die Verbreitung verschiedener Beziehungsverläufe zu quantifizieren und fragt nach regionalen und Kohortenunterschieden, dem Lebensalter bei Phasenbeginn und -ende, der Dauer der Phase und ihrer Verortung in der Biographie. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse der Stabilität von Partnerschaften, d.h. es wird nach den Determinanten gefragt, die das Trennungs- bzw. Scheidungsrisiko beeinflussen.
Projektdesign
Im Rahmen des geplanten Forschungsprojekts werden hauptsächlich Längsschnittanalysen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zu Partnerschaftsbiografien vorgenommen. Hierfür stehen mittlerweile 25 Erhebungswellen bzw. Untersuchungsjahre zur Verfügung.
Im ersten Schritt werden Veränderungen auf der Haushaltsebene rekonstruiert, d.h. es wird ermittelt, wie viele Haushalte von Jahr zu Jahr einen Wechsel des Beziehungstypus vollziehen. Hierbei sind v.a. die folgenden Übergänge von Interesse:
- vom Ein-Personen-Haushalt zum Paarhaushalt
- vom kinderlosen Paar zur Paarfamilie
- von der Paarfamilie zum Alleinerziehenden-Haushalt
- von der Paarfamilie zum kinderlosen Paar
- vom Paarhaushalt zum Ein-Personen-Haushalt
Die Erfassung der genannten Übergänge auf der Haushaltsebene gibt einen ersten Überblick über die Dynamik in Partnerschaftsbiografien. Es wird z.B. deutlich, ob Haushalte in den neuen Bundesländern häufiger Wechsel vollziehen als in den alten Bundesländern, ob es Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Haushalten und nach dem Alter der Haushaltsbezugsperson gibt.
Im nächsten Schritt werden Beziehungsbiografien auf der Individualebene analysiert. Hier soll v.a. die Auflösung von Beziehungen durch Trennung bzw. Scheidung näher betrachtet werden. Es wird der Frage nachgegangen, ob sich stabile Beziehungen strukturell von instabilen Beziehungen unterscheiden (etwa hinsichtlich des Alters bei Beziehungsbeginn, dem Bildungsniveau der Partner, dem Familienstand) und welche Ereignisse in der Beziehungs-, Familien- oder Erwerbsbiografie das Trennungsrisiko erhöhen. Anzunehmen ist bspw., dass Elternpaare eine höhere Beziehungsstabilität aufweisen als kinderlose Paare.
Projektinfo
Das Projekt wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen
Laufzeit: Januar 2010 bis Dezember 2010
Projektleitung und -bearbeitung: Dr. Tanja Mühling

