Aktuelle Projekte
Veränderungen bei der Berufsrückkehr von Müttern
nach einer Familienpause
Fragestellung und Zielsetzung des Projektes
In der Nachkriegszeit erfolgte die Aufgabenteilung in fast allen Familien in sehr ähnlicher Weise: Die Frauen schieden zumeist schon mit der Heirat aus dem Arbeitsmarkt aus und übernahmen die Aufgabe, den Haushalt, ihre Männer und später auch die Kinder zu versorgen. Dieses Modell hat inzwischen an Bedeutung verloren. Heute sind Frauen sowohl gut ausgebildet als auch berufstätig. Damit ist die Vereinbarkeit von Ausbildung bzw. Beruf und Familie zu einem zentralen – auch politischen – Thema geworden.
Der Wunsch nach beruflicher Integration oder auch nach einer Karriere mit oder trotz Kind(ern) ist unterschiedlich ausgeprägt und auch die Einstellungen zur Erwerbstätigkeit von (jungen) Müttern differieren: So ist ein Teil der Frauen der Meinung, dass es für die kindliche Entwicklung von großer Bedeutung sei, dass eine Bezugsperson umfänglich verfügbar ist. Vor diesem Hintergrund erwägen sie in den ersten drei oder auch sechs Lebensjahren ihres Kindes keine Berufstätigkeit. Allerdings ist der generelle Trend anders, so dass immer mehr Frauen nach der Geburt eines Kindes immer früher zurück in das Erwerbsleben möchten und dies oftmals auch realisieren. Daher erfolgt der berufliche Wiedereinstieg nach der „Babypause“ in jüngerer Zeit immer früher, häufig in Form einer Teilzeittätigkeit. Diese Entwicklung wird durch die Neuregelung des Elterngeldes sowie durch den Ausbau der institutionellen Kinderbetreuungsangebote vermutlich noch verstärkt werden.
Für die Entscheidung über den Zeitpunkt und die Art des beruflichen Wiedereinstiegs spielen Einstellungen zur Elternschaft, die subjektive Bedeutung beruflichen Engagements, Einkommenschancen und viele weitere Faktoren eine Rolle. Stärke und Wirkungsweise der verschiedenen Einflussfaktoren herauszuarbeiten, ist demnach die Zielsetzung des Forschungsprojektes. Wie genau sich die Berufsrückkehr der Mütter gestaltet, mit welchen Schwierigkeiten Eltern in diesem Kontext konfrontiert sind und welche Lösungen sie finden, ist eine weitere zentrale Fragegestellung dieser Studie.
Methodisches Vorgehen
Die Grundgesamtheit dieser Studie sind Frauen, die im ersten Halbjahr 2007 ein Kind zur Welt gebracht und beim Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) einen Antrag auf Elterngeld gestellt haben. Die Grundgesamtheit umfasst damit rund 53.000 Personen und fas alle Geburten in diesem Zeitraum. Aus der entsprechenden Datenbank des ZBFS wurde eine 50 %-Zufallsstichprobe gezogen. Die betreffenden Frauen erhielten ein Anschreiben, in dem die Fragestellung und Vorgehensweise des Forschungsprojektes erläutert wurden. Diejenigen, die zur Teilnahme an der CATI-Studie bereit waren, sollten eine beiliegende Antwortkarte ausfüllen und an das ifb zurückschicken. Die Datenerhebung fand im Frühjahr 2010 statt und führte zu einer Fallzahl von über 1.400 Interviews. Damit liegt dem ifb ein Datensatz vor, der etwa 2,7 % der Grundgesamtheit umfasst. Zum Zeitpunkt der Befragung endete die Elternzeit der Frauen für ihr 2007 geborenes Kind in ungefähr oder war bereits beendet, falls die Mütter die dreijährige Dauer der Elternzeit nicht ausschöpfen. Das Kind befand sich in etwa im Kindergarteneinstiegsalter. Dieser Zeitraum scheint gut geeignet, da ein Teil der Mütter bereits über Wiedereinstiegserfahrungen verfügt, ein anderer Teil aber noch in der Elternzeit verweilen dürfte. Somit kann an (mindestens) zwei Teilstichproben der unterschiedliche Verlauf der Aufgabenteilung und dessen vielfältige Hintergründe aufgezeigt werden.
Themen der Primärerhebung zum Thema „Berufsrückkehr von Müttern“ waren Alter und Anzahl der vorhandenen Kinder, der weitere Kinderwunsch, die Erwerbssituation des Partners, die Einkommenslage der Familie, die Erwerbsbiografie der Mütter und der Bezug von Elterngeld. Frauen, die zum Zeitpunkt der Befragung nicht erwerbstätig waren, wurden nach den Gründen hierfür und nach ihren zukünftigen beruflichen Plänen bzw. Wünschen gefragt. Wer bereits in den Beruf zurückgekehrt war, wurde detailliert nach dem zeitlichen Umfang und sonstigen Merkmalen der Arbeitsstelle (Rückkehr zum früheren Arbeitgeber oder Einstieg bei neuem Arbeitgeber, berufliche Selbständigkeit, alter Arbeitsplatz oder neuer etc.) gefragt. Im Vordergrund standen die Einschätzungen der Mütter zu ihrem Wiedereinstieg, ob z.B. die Dauer der Erwerbsunterbrechung den Wünschen entsprach und welche Erfahrungen bei der Rückkehr ins Arbeitsleben gemacht wurden. Daneben wurden die Berufsorientierung sowie die Einstellungen gegenüber institutioneller Kinderbetreuung und der Berufstätigkeit von Müttern im Allgemeinen jeweils durch mehrere Items erhoben. Desweiteren wurde erfasst, welche Formen der Kinderbetreuung von den Befragten selbst in Anspruch genommen werden bzw. inwieweit das Thema Kinderbetreuung Einfluss auf die Entscheidung über den beruflichen Wiedereinstieg genommen hat. Die innerfamiliale Aufgabenteilung – bei verschiedenen Hausarbeiten und bei der Kinderbetreuung – sowie die Zufriedenheit damit wurden ebenso erhoben wie die Zufriedenheit mit dem Leben insgesamt.
Anhand dieser quantitativen Studie lassen sich die Tätigkeitsfelder Erwerbstätigkeit, Erziehungs- und Betreuungsaufgaben sowie Haushaltsführung in Familien mit mindestens einem etwa 3-jährigen Kind danach differenzieren, ob und in welcher Form es zu einer Berufsrückkehr der Frau gekommen ist. Die Fallzahl sowie die Vielfalt der erhobenen Kontrollmerkmale erlauben es dabei, tiefergehende Analysen vorzunehmen.
Projektinfo
Das Projekt, insbesondere die Datenerhebung, wird seit Januar 2010 durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen finanziert. Ab dem 1. April 2011 ist die Berufsrückkehr-Studie wesentlicher Bestandteil des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für einen Zeitraum von zwei Jahren geförderten Projekts „Veränderungen bei der Berufsrückkehr von Müttern nach einer Familienpause“.
Projektleitung und -bearbeitung: Dr. Marina Rupp, Dipl.-Soz. Harald Rost, Dr. Tanja Mühling, Dipl.-Soz. Loreen Beier, Dipl.-Soz. Christian Haag

