Aktuelle Projekte
ifb-Familienreport Bayern
Gegenstand der Untersuchung
Die Dokumentation und Aufbereitung von Informationen über die Situation von Familien in Bayern ist eine der zentralen Aufgaben des ifb. Aktuelle Daten und Zeitreihen werden in Form von Tabellenbänden aufbereitet, die der Öffentlichkeit auf der Homepage des Instituts zeitnah zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus erscheint seit 2000 im Dreijahresabstand der "ifb -Familienreport Bayern", dessen vierte Ausgabe nun vorliegt. Zielsetzung dieser Berichte ist es, eine fundierte Informationsgrundlage für eine familienpolitisch interessierte Leserschaft zu schaffen.
Der ifb -Familienreport Bayern beinhaltet eine ausführliche Darstellung der zentralen Daten über die aktuelle Situation der bayerischen Familienhaushalte sowie umfangreiche Beschreibungen längerfristiger Entwicklungen und kurzfristiger Trends anhand von Zeitreihen. Auf diese Weise können die Relevanz verschiedener Familienformen sowie Veränderungen im familienbezogenen Verhalten wie Eheschließungen, Geburten, Scheidungen oder Wiederverheiratungen bewertet werden. Um die Aussagefähigkeit der aufbereiteten Daten zu erhöhen, werden zu den Informationen über Bayern punktuell Quervergleiche mit den übrigen Bundesländern, der Bundesrepublik insgesamt und anderen EU-Staaten hinzugefügt.
Ergänzt wird die Darstellung der allgemeinen Lage der Familien in Bayern in jedem ifb -Familienreport durch ein Schwerpunkthema, das vertieft analysiert wird. Im Jahr 2000 wurden die Bereiche "Familie und Gesundheit" sowie "Familie und Wohnen" näher betrachtet. Der 2003 erschienene Familienreport widmete sich der "Ökonomischen Situation von Familien" und dem Bereich "Familie und Erwerbstätigkeit". Der ifb -Familienreport 2006 war der spezifischen Situation der Väter in den Familien gewidmet. Der ifb-Familienreport 2009 "Familie in Europa" umfasst folgende thematische Schwerpunkte:
- "Familienhaushalte im europäischen Vergleich" stellt die bayerischen Zahlen den gesamtdeutschen und den Zahlen der EU- Mitgliedsstaaten gegenüber.
- "Familienpolitik im internationalen Vergleich" beschäftigt sich vergleichend mit den wichtigsten Instrumenten der Familienpolitik, insbesondere mit finanziellen Transfers für Familien, Freistellungsmaßnahmen, Angebote der institutionellen Kinderbetreuung, sowie mit dem Aspekt der Besteuerung von Familien. Dabei wird ein besonderer Fokus auf eine Typologisierung der Länder nach deren familienpolitischer Ausrichtung, mit Einordnung von Bayern und Deutschland in die entstehenden Ländergruppen gelegt. Zudem ist es von Interesse, inwieweit die entsprechenden Länder mit familienpolitischen Reformen auf sinkende Geburtenzahlen und Verknappung der öffentlichen Mittel reagieren.
- "Vom Ernährer- zum Zweiverdienermodell? Familie und Erwerbstätigkeit – Bestandsaufnahme und internationale Perspektiven": Unter dem Gesichtspunkt der zunehmenden Erwerbsbeteilung von Frauen in den letzten Jahrzehnten wird eine detaillierte vergleichende Bestandsaufnahme der Beschäftigungsmuster von Männern und Frauen im innerdeutschen und auch im europäischen Vergleich geliefert, vor allem unter dem Gesichtpunkt der unterschiedlichen familien- und arbeitsmarktpolitischen Strategien zur Förderung der Erwerbstätigkeit beider Elternteile.
- Auf die "sozioökonomische Situation von Familien im internationalen Vergleich" wird sowohl in Bayern und Deutschland als auch im internationalen Vergleich eingegangen. Schwerpunkte hierbei sind die Einkommensverteilung in Familien, ihre Betroffenheit von relativer Einkommensarmut, die Relevanz von staatlichen Transfers, sowie die sozioökonomische Lage von Alleinerziehenden und kinderreichen Familien.
- "Einstellungen zu Rollenbildern und Arbeitsteilung in Partnerschaften im europäischen Vergleich": Unter dem Gesichtspunkt, dass Chancengleichheit zwar als zentrales Ziel im europäischen Vertrag verankert ist, diese jedoch in den verschiedenen Mitgliedsstaaten noch sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten dargestellt, deren historische, politische und strukturelle Ursachen sowie die Veränderung der Werthaltungen in den letzten eineinhalb Jahrzehnten.
- Da die deutsche Gesellschaft durch sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartung zunehmend altert und dies wiederum Auswirkungen auf das soziale Sicherungssystem und die innerfamilialen Beziehungen zwischen den Generationen hat, sind auch "Gesellschaftliche Alterung und Generationsbeziehungen im internationalen Vergleich" von Interesse, vor allem unter dem Gesichtspunkt der Pflege und Versorgung älterer Menschen.
Methodisches Vorgehen
Die Datendokumentation der ifb-Familienreporte basiert auf der kontinuierlichen Sichtung und Auswertung verschiedener Veröffentlichungen der amtlichen Statistik (statistische Jahrbücher, Fachserien, Jugend- und Altenhilfestatistik, Sozialhilfestatistik). Dazu kommen statistische Analysen von Mikrozensusdaten, von Zeitbudgetstudien, des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), des Allbus, des DJI-Familiensurveys sowie eigener Erhebungen aus dem Datenbestand des ifb.
Veröffentlichungen
Tanja Mühling & Harald Rost: ifb-Familienreport Bayern 2009. Zur Lage der Familie in Bayern. Schwerpunkt: Familie in Europa (siehe ifb-Materialien).
Loreen Beier, Tanja Mühling & Harald Rost: ifb Familienreport Bayern – Tabellenband 2009. Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung. ifb-Materialien Nr. 5-2009.
Der Tabellenband wird laufend aktualisiert und ist auf den Internetseiten des ifb abrufbar.
Ausgewählte Ergebnisse
In vielen europäischen Ländern ist ein starker Rückgang der Geburten seit Mitte der 1960er Jahre zu beobachten. Am stärksten ausgeprägt war die Abnahme der Geburtenzahlen in Rumänien, Portugal und Deutschland, ein Geburtenplus gab es in diesem Zeitraum nur in Irland und Luxemburg. Insgesamt ging die Zahl der Geburten im Gebiet der EU-27 in den vergangenen vier Jahrzehnten um ein Drittel zurück. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die Familiengröße: So liegt der Anteil kinderreicher Familien (mit drei oder mehr Kindern) an allen Familienhaushalten EU-weit nur noch bei 12,9 Prozent. Allerdings variiert diese Quote von 20,5 Prozent in Cypern bis 4,5 Prozent in Bulgarien.
Elternschaft ist heute nicht mehr sehr eng mit der Institution Ehe verbunden. Der Anteil nichtehelich geborener Kinder hat dabei in allen EU-Staaten in den letzten drei Jahrzehnten zugenommen. Heute wird in den europäischen Ländern etwa jedes dritte Kind außerhalb einer Ehe geboren. Eine Ausnahme von dem allgemeinen Trend bildet Griechenland, wo 2007 nur 5,8 Prozent der Neugeborenen nichtehelich zur Welt kamen. Weiterhin kann EU-weit festgestellt werden, dass Frauen immer später Mütter werden, im Durchschnitt bekommen sie heute mit 27,7 Jahren ihr erstes Kindes.
Anteile nichtehelicher Lebendgeburten in den EU-Mitgliedsländern und Bayern (1960-2007)

* bis 2002 Daten EU-15, ab 2003 Daten EU-25.
Quelle: Eurostat; Europäische Sozialstatistik - Bevölkerung Ausgabe 2001, S. 89; Statistik kurz gefasst Thema 3 - 17/2002, S. 5, Thema 13/2004, S. 5, Thema 15/2005, S. 5; Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung.
Trotz zunehmender Frauenerwerbstätigenquote in fast allen Ländern der EU, liegt die Erwerbsbeteiligung von Männern immer noch deutlich über der von Frauen. Die Unterschiede in der Erwerbstätigenquote von Männern und Frauen variieren jedoch zwischen den einzelnen Ländern erheblich. Besonders gering ausgeprägt sind die Unterschiede in den skandinavischen Ländern, am deutlichsten zeigen sich Differenzen in den südeuropäischen Ländern. Teilzeitbeschäftigung ist immer noch hauptsächlich Frauensache – die Teilzeitquoten von Männern in Europa liegen meist unter 10 Prozent. Eine Ausnahme bilden die Niederlande, dort arbeitet jeder fünfte Mann Teilzeit.
Teilzeitquote von Frauen in den EU-Mitgliedsländern und Bayern (2007)

Quelle: Eurostat; Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, Daten des Mikrozensus.
Die Erwerbsbeteiligung von Frauen hängt sehr stark davon ab, ob Kinder vorhanden sind. Mütter mit minderjährigen Kindern üben in fast allen Ländern der EU deutlich seltener eine Berufstätigkeit aus als Frauen ohne Kinder. In welchem Umfang Mütter erwerbstätig sind, wird von der Anzahl und dem Alter der Kinder stark beeinflusst. Solange noch kleine Kinder im Haushalt sind, ist die Erwerbsbeteiligung von Müttern in den meisten europäischen Ländern niedriger. Mit steigendem Alter der Kinder und damit auch mit abnehmendem Betreuungsaufwand seitens der Eltern und zunehmender institutioneller Betreuung steigt ihre Erwerbsbeteiligung. In fast allen EU-Staaten ist die Erwerbsbeteiligung von Müttern mit drei oder mehr Kindern niedriger als ihre allgemeine Erwerbstätigenquote.
Parallel zu der zunehmenden Erwerbsbeteiligung von Frauen sind auch die Einstellungen zur weiblichen Erwerbstätigkeit in vielen europäischen Ländern liberaler geworden. Erwerbstätig zu sein bedeutet für Frauen jedoch auch, dass weniger Zeit bleibt für die Arbeit im Haushalt bzw. in der Familie. Insofern stellt sich die Frage, inwieweit Einstellungen und Verhalten konform gehen und die früher vorwiegend von Frauen erledigten Tätigkeiten im Haushalt nun vermehrt von Männern übernommen werden. Der Report zeigt, dass in den meisten Ländern der Haushalt noch immer vorwiegend "Frauensache" ist. Veränderungen in diesem Bereich vollziehen sich offenbar langsam. Insgesamt weisen die nordeuropäischen Länder die partnerschaftlichste Aufteilung der Hausarbeit auf, aber auch hier ist noch keine Ausgeglichenheit in der Form erreicht, dass jeder Partner die Hälfte der Arbeiten übernehmen würde. Die südeuropäischen Länder sowie Ungarn, Irland und Österreich zeigen die vergleichsweise traditionellste Arbeitsteilung.
Arbeitsteilung im Haushalt in der EU nach dem Geschlecht (Mittelwerte), 2002

Quelle: ISSP 2002 (eigene Berechnungen, gewichtet); aufgrund der Datenlage wurden Dänemark, Schweden, Deutschland (und Bayern), die Niederlande, Spanien, Portugal, Zypern, Lettland, Slowenien, Slowakei nicht gewichtet.
Projektinfo
Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen.
Laufzeit: fortlaufend.
Projektleitung und -bearbeitung: Dipl.-Soz. Harald Rost, Dr. Tanja Mühling, Dr. Dirk Hofäcker, Dipl.-Soz. Loreen Beier.

